Alarmierend: Zahl der Hungernden überschreitet Milliardengrenze

Anlässlich des heute vorgestellten Welternährungsberichts der Vereinten Nationen ("State of Food Security Report") erklärt Thilo Hoppe, Leiter der AG Globalisierung:

Trotz rückläufiger Nahrungsmittelpreise ist die Zahl der Hungernden erneut rapide angestiegen und hat die Milliardengrenze überschritten. Nun ist es offiziell: 1,02 Milliarden Menschen sind chronisch unterernährt und leiden Hunger: das ist fast jeder sechste Mensch auf dieser Welt. Dies ist ein moralischer und politischer Skandal. Für jede Politikerin und jeden Politiker, hier und in den betroffenen Ländern, sollte klar sein: "Business as usual" ist ein für alle mal vorbei. Konferenzen mit leeren Versprechungen hatten wir genug. Die Bundesregierung und die internationale Gemeinschaft sind aufgefordert, einen sofortigen Kurswechsel im Kampf gegen den Hunger einzuleiten. Dieser darf nicht wie bisher durch die  Agrarpolitik der Industrieländer zunichte gemacht werden.

Wir brauchen einen grundsätzlichen Perspektivwechsel in der Entwicklungs- und Agrarpolitik, der zwei Dinge miteinander verbindet: Erstens den Entschluss von allen Seiten, deutlich mehr Gelder für ländliche Entwicklung bereitzustellen und zweitens nachhaltige Ansätze, die der Herausforderung des Klimawandels für die Welternährung gerecht werden. Darüber hinaus müssen verstärkt soziale Sicherungssysteme in den Entwicklungsländern aufgebaut werden. Wichtig hierbei ist: Eine nachhaltige Entwicklung ist von lokalen Voraussetzungen abhängig. Im Sinne des Ansatzes des Weltagrarrates (IAASTD) müssen standortspezifische sowie ökologische und soziale Belange berücksichtigt werden. Grüne Gentechnik wird keinen Beitrag zur Lösung für die Welternährungskrise liefern. Im Gegenteil: Gentechnik ist mit hohen ökologischen und sozialen Risiken behaftet.

Dass die Europäische Union ausgerechnet in dieser Situation wieder Milchexportsubventionen für europäische Bauern eingeführt hat, ist absolut unverständlich. Subventionen für europäische Agrarprodukte zerstören die Agrarmärkte der Entwicklungsländer und forcieren den Hunger, den alle vorgeben, bekämpfen zu wollen. Wir fordern von der Bundesregierung, sich für einen sofortigen Stopp der Agrarexportsubventionen einzusetzen. Die Entwicklungsländer müssen zudem die Möglichkeit erhalten, sich vor Dumpingfluten schützen zu können.

Thilo Hoppe ist Vorsitzender des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung