Alle Hungernden müssen erreicht werden

Zu den Ergebnissen der Sondersitzung der Obleute des Entwicklungsausschusses des Deutschen Bundestages sowie zur aktuellen Lage am Horn von Afrika erklärt Thilo Hoppe, Sprecher für Welternährung:

Auch in der Sondersitzung der Obleute des Entwicklungsausschusses ist sehr deutlich geworden, dass die Hilfsaktionen für die Hungernden am Horn von Afrika nach wie vor  unterfinanziert sind. Um alle zur Zeit erreichbaren Hilfsbedürftigen mit dem Nötigsten versorgen zu können, fehlen nach Berechnungen der Vereinten Nationen noch immer rund 1 Milliarde Dollar.

Wir erneuern deshalb die Forderung an die Bundesregierung, die von ihr bereitgestellten Mittel zur bewältigen der aktuellen Hungerkatastrophe mindestens zu verdoppeln und auch für die langfristig angelegte Unterstützung der Landwirtschaft und Viehzucht in Ostafrika die Mittel aufzustocken. Vom Bundestag sollte deshalb bald ein Sondertitel bewilligt werden, damit die außerplanmäßigen Ausgaben für diese besondere Herausforderung nicht durch Umschichtungen im Haushalt bewältigt werden müssen und anderen Entwicklungsprojekten die Mittel entziehen.

Die Bundesregierung ist auch herausgefordert, zur Überwindung bürokratischer Blockaden in Kenia beizutragen. Dass das bereits fertig gestellte Flüchtlingslager Ifo 2 in der Nähe von Dadaab aufgrund von "Sicherheitsbedenken" regionaler Autoritäten nicht bezogen werden kann, ist nicht hinnehmbar. Hier muss sowohl Druck auf die kenianische Regierung ausgeübt als auch die ebenfalls notleidende einheimische Bevölkerung im Umfeld der Flüchtlingslage in die Hilfsprogramme einbezogen werden.

Dass nun endlich eine Luftbrücke des Welternährungsprogramms von Nairobi nach Mogadischu aufgebaut werden kann, ist ein ermutigendes Zeichen. Doch angesichts des dramatischen Ausmaßes der Hungerkatastrophe in Somalia werden Lufttransporte bei weitem nicht ausreichen. Auch der Seehafen muss so schnell wie möglich wieder gesichert und zur Anlandung von Hilfsgütern genutzt werden.  Es sollte alles dafür getan werden, humanitäre Korridore zu öffnen, um auch die am schwersten betroffenen Menschen im Süden Somalias zu erreichen.

Dass die dringend notwendige humanitäre Hilfe von den radikal-islamistischen Al-Shabab-Milizen behindert wird, stellt die internationale Gemeinschaft vor eine Herausforderung. Deutschland sollte dieses Thema auch auf die Tagesordnung des Weltsicherheitsrates stellen.