Thilo Hoppe , MdB

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2. Juli 2005

Grüner Salon am 1. Juli 2005: Gebt das Hanf frei!?

Hans-Christian Ströbele (Foto, 3. v. l.), stellvertretender Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/ Die Grünen im Deutschen Bundestag, ist nicht nur durch seinen Ausruf "Gebt das Hanf frei" bekannt, welchen Stefan Raab mit einem Lied bis in die Charts brachte. Ströbele hat sich als Rechtsanwalt vor seiner Tätigkeit als Abgeordneter intensiv mit dem Thema Drogen, vor allem aber mit der dahinter stehenden kriminellen Szene beschäftigt. Thilo Hoppe hatte ihn als Hauptgast des Grünen Salons am 1. Juli 2005 nach Aurich eingeladen, in die Stadt, in der Hans-Christian Ströbele 1960 seinen Grundwehrdienst bei der Bundeswehr verrichtete. Neben weiteren Gästen aus den Bereichen Drogenberatung, Schule und Kriminaldienst war auch ein Vertreter von GroenLinks dabei, der wichtige Erfahrungen der Niederländer zur Drogenproblematik einbringen konnte. Das zahlreiche Publikum wurde in den Pausen durch die Jugend-Rock-Band "Mellow-Yellow" unterhalten.

Grüner Salon zum Thema "Gebt das Hanf frei !?"

Ströbele fordert eine Legalisierung von Cannabis. Er machte während des Grünen Salons deutlich, dass ihm eine rechtliche Gleichbehandlung der Drogen wichtig sei – und dazu gehören für ihn auch Alkohol und Zigaretten. Jedes Jahr gäbe es 40.000 Alkoholtote, kein Mensch sei an Cannabis gestorben, so Ströbele. Eine Legalisierung fordert er vor allem, weil nur damit die hinter den Drogen stehende kriminelle Szene ausgerottet werden könne. "Nur so lässt sich das Leid der Menschen in der kriminellen Szene durch Prostitution, Kinderkriminalität usw. verhindern", so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Aus den Steuern der legal verkauften Drogen könnten zudem Anti-Drogen-Programme finanziert werden.

"Etwa 400 Klienten hat die Drogenberatung in Aurich, davon ein Fünftel zwischen 13 und 19 Jahren", so Michael Frantz-Wielstra, Leiter der Drobs. Viele Jugendliche kämen von sich aus, wenn sie merkten, dass etwas schief läuft. Das eigentliche Problem, stellte Frantz-Wielstra fest, ist die Überfütterung der Jugend, die fehlende Arbeit und fehlende Ausbildungsmöglichkeiten.

Theo Beitelmann, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes in Aurich, hält die Kontrolle der Drogennutzung bei einer Legalisierung für schwierig. Ein großes Problem sei, dass Drogen heute zum Teil sehr konzentriert im THC-Bereich sind – so haben Drogen die bis zu 10-fache Wirkung wie vor 20 Jahren. Diese Drogen sind als lebensgefährlich einzustufen und dürften nicht verharmlost und legalisiert werden, so Beitelmann.

Der Schulleiter des Gymnasiums Ulricianum, Thade-W. Risius, stellte fest, dass an seiner Schule kaum Schüler wegen Alkohol oder Drogen auffällig werden. Dennoch haben seiner Schätzung nach bereits 30% der Schüler Kontakt mit Cannabis gehabt.

Das mit der Legalisierung von Drogen nicht alle Probleme gelöst sind, verdeutlichte Karel Kötz, Ratsmitglied von GoenLinks in Winschoten (NL). So habe die Kriminalität in den Niederlanden nach der Legalisierung noch weiter zugenommen. Die Drogen wären auch nicht das eigentliche Problem, so Kötz, man müsse den Jugendlichen zuallererst eine aussichtsreiche Zukunft bieten. Dazu müsse man mehr mit den Jugendlichen reden. In den Niederlanden werde gerade ein Programm erprobt in dem in den Schulen "Schüler mit Schülern" reden über die Drogenproblematik.

Grüner Salon mit Hans-Christian Ströbele, MdB

Sowohl Michael Frantz-Wielstra von der Drobs als auch Theo Beitelmann vom Zentralen Kriminaldienst forderten von der Politik in erster Linie eine intensivere Suchtberatung zu unterstützen. Drogen würden sich nicht per Gesetz verbieten lassen. Eine stärkere Aufklärungsarbeit sei notwendig. Diese müsse bereits bei 8- bis 9-Jährigen und deren Eltern beginnen. Eine Legalisierung von Cannabis mit geringem THC-Gehalt könne sinnvoll sein, meinte Frantz-Wielstra. Cannabis dürfe aber nicht verharmlost werden.

Thilo Hoppe, der den Abend moderierte, kündigte an, sich im Deutschen Bundestag für die Förderung der Suchtberatung einzusetzen. "Es gibt gute Argumente für die Legalisierung von Cannabis, aber auch ernstzunehmende Warnungen, die dagegen sprechen", so Hoppe. Nun müssen die Argumente gegeneinander abgewogen werden.

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