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Der Grüne Bundestagsabgeordnete Thilo Hoppe aus Aurich hatte wieder hochkarätige Gäste zu der Politik-Talkshow Grüner Salon, diesmal zum Thema Erneuerbare Energien nach Wittmund eingeladen. Neben dem Bundestagsabgeordneten und Vorsitzenden des Weltrates für Erneuerbare Energien sowie Präsident der Vereinigung EUROSOLAR und Träger des alternativen Nobelpreises Hermann Scheer (SPD) waren auch Enercon-Chef Aloys Wobben, der Landtagsabgeordnete Hans-Joachim Janssen (Bündnis 90/Die Grünen), der Kreistagsabgeordnete Martin Mammen (Bündnis 90/Die Grünen Wittmund) und Thomas Myslik vom BUND Oldenburg als Gesprächspartner mit dabei.
Das Ziel von Scheer (Foto unten, links) ist die vollständige Ablösung atomarer und fossiler Energie durch Erneuerbare Energien. "In absehbarer Zeit werden die Grundlagen der atomaren und fossilen Energieerzeugung aufgebraucht sein, dann wird es nur noch Erneuerbare Energien geben", so Scheer. Auf diesen Zeitpunkt müsse sich die Welt jetzt vorbereiten. Das sei bislang in unverantwortlicher Weise verschleppt worden. Scheer selbst spricht von einem "Jahrhundertversäumnis". Die negativen Folgen der herkömmlichen Energiepolitik seien nicht mehr bezahlbar. Darüber hinaus sieht Scheer in den Erneuerbaren Energien die größte weltwirtschaftliche Chance, da auch kleinere Investoren und somit auch ärmere Länder und Regionen davon profitieren könnten.

Wobben (Foto oben, rechts), Chef von Europas größtem Windanlagenhersteller Enercon in Aurich, bestärkte die Aussage der Endlichkeit fossiler Energieträger am Beispiel Erdöl. Die Kosten für die Erdölförderung steigen massiv an, in der Folge steigt der Ölpreis, was aktuell wieder deutlich an den Tankstellen zu beobachten ist. "Langfristig bleiben nur Erneuerbare Energien bezahlbar", so Wobben. Er sieht eine besondere Gefahr der atomaren und fossilen Energieerzeugung aber auch in der dadurch resultierenden Wasserbelastung, langfristig werden aus seiner Sicht auch gesundheitliche Probleme der Bevölkerung eine Umlenkung auf Erneuerbare Energien einfordern. "Die Ärzte werden eines Tages sagen: Atomare und fossile Energieerzeugung ist für uns gesundheitlich nicht mehr tragbar", so Wobben.
Thilo Hoppe wies darauf hin, dass die Förderung von Erneuerbaren Energien eine globale Bedeutung hat, das Belegen seine Erfahrungen aus der Entwicklungszusammenarbeit. Scheer bestätigte, dass man die Fehler der Industrieländer in der Energiepolitik, nämlich die Einführung der Nutzung atomarer und fossiler Energieträger, bei der Entwicklung der ärmeren Länder überspringen müsse. "Die großen Erdölkonzerne der Welt verfolgen natürlich eine andere Strategie", so Scheer – hier müsse die Politik gegen die Wirtschaftsmacht der Welt ankämpfen.
Zu den Möglichkeiten der Förderung der Erneuerbaren Energien sagte Wobben, dass er sich sicher sei, dass in vier bis fünf Jahren das Problem der Energiespeicherung und damit der kontinuierlichen Energieeinspeisung durch Windenergieanlagen gelöst ist. Scheer sieht ein Problem der Energiepolitik der nächsten Jahre darin, dass die Energiekonzerne nun massiv Druck machen. Sie locken mit Investitionen in neue Großkraftwerke und führen das Argument Arbeitsplatzschaffung an ohne die Folgekosten für die Volkswirtschaft zu berücksichtigen. Sie wollen die Regierung zwingen, vom Kurs der Erneuerbaren Energien umzuschwenken, um als Großkonzerne weiter Gewinne machen zu können. Die Großkonzerne verlieren mit der Stärkung der Erneuerbaren Energien zunehmend ihre Wirtschaftsmacht, da auch kleinere Investoren bei den Erneuerbaren Energien mitmischen können. Die Politik müsse hier unbedingt stark und unabhängig bleiben und das Energieeinspeisegesetz (EEG) fortschreiben. Scheer arbeitet zur Zeit mit weiteren Abgeordneten zudem an einem Förderprogramm für Speichertechnologien, um die Lösungsansätze in diesem Bereich in die Marktreife zu bringen.
Um die Notwendigkeit des Ausbaus Erneuerbarer Energien zu verdeutlichen, verglich Scheer die atomaren und fossilen Energieträger mit schadstoffhaltiger Babynahrung und die Erneuerbaren Energien mit schadstofffreier Babynahrung. Nur könne der einzelne Verbraucher entscheiden, welche Nahrung er seinem Kind gäbe. Vor den Folgen der Nutzung konventioneller Energieträger in der Umwelt durch Belastung von Wasser, Luft und Boden kann sich der Einzelne jedoch nicht schützen.
Der Kreistagsabgeordnete Martin Mammen (Foto unten, rechts) fasste die Diskussion zusammen: "Wir sind bei der Energiepolitik gefangen in einem System, das nicht das effektivste ist". Für die Region Ostfriesland sei es wichtig, den Brückenschlag zwischen Tourismus, Natur und Windenergienutzung hinzubekommen. Es sei vor allem wichtig, dass sorgfältiger geplant und Nutzungskonflikte intensiver vermieden würden.

Hans-Joachim Janssen (Foto oben, 2. von links), Landtagsabgeordneter und Energiepolitischer Sprecher der Landtagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen, machte deutlich, dass es bei der Planung der Hochspannungstrassen von den Offshore-Anlagen wichtig sei, dass die Kommunen in der Region Ostfriesland ihre Bedenken bei der Erarbeitung des Raumordnungsplanes klar formulieren. Bisher sei nur eine zusätzliche Trasse geplant, von Leer entlang der Ems ins Ruhrgebiet. Wichtig ist es jetzt, andere Trassen auch langfristig per Raumordnungsplan nicht zuzulassen. Janssen teilte mit, dass alle Parteien im Niedersächsischen Landtag den Bau von Untergrundleitungen gefordert haben.
Zwei wichtige Aspekte bemängelte Thomas Myslik (Foto oben, links) vom BUND Oldenburg in der aktuellen Energiepolitik. Es werde zur Zeit zu wenig im Bereich Energieeinsparung und Effizienzsteigerung von der Bundespolitik unternommen. Er fordert eine Senkung des Energieverbrauches. "Wir in den Industrieländern leben, was den Energieverbrauch angeht, jedoch massiv ein schlechtes Verhalten vor", so Myslik.
Thilo Hoppe hob als Moderator des Abends abschließend hervor, dass die Region Ostfriesland mit der Beteiligung an der Weltkonferenz für Erneuerbare Energien im Juni 2004 in Form einer Exkursion bereits ihre Bedeutung als Modellregion für Erneuerbare Energien öffentlich darstellen konnte. Es gäbe aber auch kritische Stimmen hinsichtlich des Ausbaus Erneuerbarer Energien aus dem Natur- und Landschaftsschutz und auch von lokalen Vertretern von Bündnis 90/Die Grünen. Dabei gehe es nicht um den globalen Ausbau der Erneuerbaren Energien, der nicht in Frage gestellt werde, sondern um die Nutzungskonflikte in Ostfriesland selbst. Dies zeige, dass es weiterer gemeinsamer Anstrengungen in der Region bedarf, um hier weiter vorne mitzumischen. Der Politik-Talk wurde mit Life-Musik von der Jazz-Combo der Kreismusikschule Wittmund aufgelockert.