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29. August 2008

Klimawandel und Kunst: Diskussion zum Projekt Stelzenbunker

Die Regionen Bangladesch und Ostfriesland haben ähnlich gelagerte Probleme durch den Klimawandel, dennoch sind die konkreten Auswirkungen und Herausforderungen sehr unterschiedlich.

Der Verein "Ostfriesland schmeckt nach Meer" hatte im Rahmen seines Kunst-, Kultur- und Umweltprojektes "Stelzenbunker" zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung eingeladen. Verschiedene Referenten unternahmen einen Vergleich der Küstenregionen Ostfriesland und Bangladesch. Der globale Klimawandel ist gerade für diese Regionen eine der großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, aufgrund des zu erwartenden Meeresspeigelanstiegs und der Zunahme von extremen Wetterereignissen.

Stelzenbunker-Referenten600
(Gäste und Veranstalter - von links: Frank Ahlhorn, Imke Rathert [eine der drei Künstlerinnen], Thilo Hoppe, Alwin Theessen, Ralf Briese, Pamela Metschar)

Ein Einstiegsreferat von Ralf Briese, Landtagsabgeordneter der Grünen in Niedersachsen und Mitglied bei NETZ e.V. (der sich für Bangladesch engagiert), zeigte einen ersten Vergleich der beiden Regionen. Der zu erwartende Meeresspiegelanstieg - ob 2 cm in 40 Jahren oder 40 cm in 15 Jahren - ist für beide Küstenregionen ein Problem. Ostfriesland ist aber durch die vorhandenen Deiche (und die laufenden Deichverbesserungsmaßnahmen) für die nächsten 40 Jahre gut geschützt, während es in Bangladesch quasi keinen Küstenschutz gibt. Von Hand aufgetragene Wälle schützen die Felder im Sommer vor der Flut, außerhalb der Sommermonate bleibt der Bevölkerung nur die Flucht ins Landesinnere. Diese Umweltflüchtlinge werden uns in Zukunft noch verstärkt international beschäftigen, so Briese.

Pamela Metschar von Brot für die Welt machte die Lebensbedingungen der Einwohner von Bangladesch anhand eines Dokumentationsfilmes deutlich. Die Überschwemmungen rauben den Menschen bereits heute die Lebensgrundlage, so Metschar. Sie stellte auch die bengalische Partnerorganisation PRODIPAN vor, die den Einwohnern zurst einmal die Hintergründe der Wetterveränderungen verständlich macht. Dies geschieht durch kleine Theaterstücke und Musikaufführungen in den einzelnen Ortschaften, denn viele Menschen können nicht lesen. Danach hilft PRODIPAN den Menschen, ihr Leben an die Klimaveränderungen anzupassen - hilft Ihnen beim Bau fester, erhöhter Behausungen und Lagerräume und baut sogenannte Stelzenbunker als Zufluchtsorte für extreme Sturmfluten. Die Zahl der Todesofer durch Sturmfluten ist aufgrund dieser Maßnahmen bereits zurückgegangen. Eine langfristige Lösung vor dem steigenden Meeresspiegel bieten sie aber nicht.

Ber Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende im Entwicklungsausschuss Thilo Hoppe, bestätigte die Beschreibung der Situation in Bangladesch. Er hatte im Frühjahr während einer Delegationsreise des Bundestages verschiedene Projekte besucht. Das ganze Land hat ein kleineres Budget als Hamburg zur Verfügung, erklärte Hoppe. Und das bei der doppelten Einwohnerzahl wie Deutschland. Zudem müsse sich bei den politischen Strukturen etwas bewegen, damit die Entwicklungsgelder auch dort ankommen, wo sie benötigt werden.

Dass die eigentlich bereits sehr hohen Deiche in Ostfriesland auch kein dauerhafter Schutz sind, machte der Meeresumweltwissenschaftler Frank Ahlhorn von der Universität Oldenburg deutlich. Man kann die Deiche nicht endlos höher bauen, so Ahlhorn. Bereits bei den heutigen Höhen kostet ein Kilometer Deich etwa sieben Millionen Euro. In dem europäischen Projekt COMCOAST wurden daher alternative Küstenschutzstrategien entwickelt, wie die Reaktivierung der Sommerdeiche.

Links für weitere Informationen:
Projekt Stelzenbunker
NETZ e.V.
Projekt COMCOAST

Zusätzliche Information