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"Niemand weiß mehr um seine Verantwortung ". Diese Bemerkung eines jungen Zuhörers in Bezug auf das Verhalten vieler Aktionäre, Banker und Politiker und wie es moralisch zu bewerten sei, traf den Nerv einer Veranstaltung in Norden, die sich mit Spekulation und der Immobilienkrise beschäftigte.
Thilo Hoppe, Bundestagsabgeordneter im Wahlkreis Aurich-Emden, hatte wieder einmal zu einem "Grünen Salon" eingeladen – Thema "Chaos auf den Finanzmärkten". Zusammen mit seinen beiden Podiumsgästen, dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Aurich-Norden, Carlo Grün, sowie dem Finanzexperten der grünen Bundestagsfraktion, Dr. Gerhard Schick aus Mannheim, versuchte er, den rund 30 Zuhörern zu erklären, wie es zu der Immobilienkrise in den USA gekommen war und warum sie auch den deutschen Bankensektor erfasst hat.
Foto: (von links) Dr. Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen; Thilo Hoppe, Vorsitzender des Bundestagsausschusses für wirtschaftliche Zusammenabeit und Entwicklung; Carlo Grün, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Aurich-Norden
Die beiden Referenten bemühten sich, so anschaulich wie möglich dem Publikum die schwierige Materie etwas näher zu bringen und benutzten dabei sprachlich viele Bilder. Da wurde von "Containern" gesprochen, in die viele Kistchen mit teils unbekannten Wertpapieren gepackt worden seien. Die Rating-Agenturen hätten dann falsche Etiketten draufgeklebt und als Qualität bezeichnet, was sie gar nicht überblicken, geschweige denn richtig beurteilen konnten. Oder es seien von der Politik und der Bankenaufsicht zwar "Zäune erhöht" aber "Gartentürchen offen gelassen worden": Ablegern deutscher Banken sei stillschweigend genehmigt worden, im Ausland Geschäfte zu tätigen, die hierzulande verboten sind.
Ihren Ursprung habe die letzte Bankenkrise, so Schick, in der Vergabe von Immobilienkrediten in Amerika gehabt, ohne dass die Banken dort entsprechende Sicherheitsnachweise und genügend Eigenkapital von den Kreditnehmern verlangt hätten. Als viele Kreditnehmer die gestiegenen Zinsen sowie die Tilgung nicht mehr hätten bezahlen können, sei die "Blase" geplatzt und hätte den amerikanischen Banken Milliardenverluste beschert. Da ein Teil der risikoreichen Immobilienkredite – in "Containern" verpackt mit anderen Wertpapieren – bereits vorher an etliche Banken auf der ganzen Welt verkauft worden wäre, hätte sich die amerikanische Bankenkrise schnell zu einer globalen Finanzmarktkrise ausgewachsen. Besonders betroffen seien Banken in Großbritannien, Deutschland und der Schweiz, die Warnungen in den Wind geschlagen und zu viel Geld auf dem Immobilienmarkt in den USA angelegt hätten. In Spanien zum Beispiel, das windige Geschäfte dieser Art nicht zulasse, seien die Banken nicht betroffen.
Bankenchef Grün nahm dieses noch einmal zum Anlass, zu betonen, dass Immobilienkredite in Ostfriesland aufgrund von ausreichend Eigenkapital, "Muskelhypothek" (Mithilfe beim Bau) und schneller Rückzahlung in der Regel unproblematisch seien. Deshalb würden sie von der Sparkasse in der Regel auch nicht verkauft.
Abschließend bat Grün die Abgeordneten, bei Beratungen im Bundestag zum Thema Bankenregulierung mit Augenmaß vorzugehen, - mit populistischen Schnellschüssen sei keinem geholfen. Die könnten eher dazu beitragen, dass sich für die Kunden die Konditionen für Kredite verschlechtern.
Dahingegen plädierte der grüne Finanzexperte Schick für verbindliche gesetzliche Regelungen. Eine Selbstverpflichtung der Banken reiche nicht aus. In den letzten Jahren habe es zu viele Krisen gegeben, deshalb halte er es für sinnvoll, mit einer Finanzumsatzsteuer "Bremsen ins System einzubauen" und vor allem die Bankenaufsicht zu verbessern. In den Aufsichtsgremien der Landesbanken hätten aber auch die Politiker versagt. Auch hier seien Reformen dringend notwendig.
Bereichert und aufgelockert wurde der Grüne Salon durch die hervorragende Musik der Klarinettistinnen Anja Lütke-Notarp und Marike Kinze. Insbesondere das von Lütke-Notarp als Solostück vorgetragene "Wenn ich einmal reich wär" war ein trefflicher Abschluss des Abends.