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Die Koalition hat zur Afrikapolitik einen Antrag vorgelegt, der viele Wahrheiten enthält, - bei dem ich auch als Oppositionspolitiker kaum ein Haar in der Suppe finden kann. Und trotzdem reicht uns das nicht für eine Zustimmung. Wir werden uns der Stimme enthalten – weil in Ihrem Antrag trotz der Vielzahl von 32 Spiegelstrichen Entscheidendes fehlt.
Sie drücken sich vor einigen unbequemen Themen – und das sind gerade die Bereiche, in denen eine Kurskorrektur dringend notwendig ist.
Ich werde nicht müde, hier immer wieder in Erinnerung zu rufen, dass trotz aller Erfolgsmeldungen, trotz guter Wachstumsraten in vielen afrikanischen Staaten, die Zahl der Hungernden auf diesem Kontinent steigt.
Die europäische und die deutsche Entwicklungszusammenarbeit hat auf dem Agrarsektor die gleichen Fehler gemacht wie die Weltbank. Die Weltbank hat das Problem jetzt wenigstens erkannt. Diese Erkenntnis und vor allem die daraus zwingend erforderliche Kurskorrektur stehen bei der EU-Kommission und der Bundesregierung noch aus.
Das, was die Entwicklungszusammenarbeit der Europäischen Union und ihrer Mitgliedsstaaten erreichen will – und was auch in den meisten Fällen zumindest gut gemeint ist – wird (und da könnte ich Ihnen Hunderte von Beispielen präsentieren) oft von anderen Politikbereichen der Europäischen Union und ihrer Mitgliedsstaaten wieder zerstört.
Ich erwarte, dass auf dem afrikanisch-europäischen Gipfeltreffen in Lissabon endlich diese Widersprüche, die es auf beiden Seiten en masse gibt, frisch, und frei und mutig angesprochen werden.
Und das Gleiche gilt für das Thema Menschenrechte und Demokratie. Wir halten nichts von dem britischen Vorschlag, den Gipfel eher wieder platzen zu lassen, als sich mit dem grausamen Diktator Robert Mugabe an einen Tisch zu setzen.
Aber es wäre genauso fatal, Mugabe kommen zu lassen und so zu tun, als sei in Zimbabwe nichts geschehen.
Wir erwarten von der Bundesregierung, zum Zustandekommen und zum Erfolg des Gipfels von Lissabon beizutragen – und dafür zu sorgen, dass das Thema Menschenrechte auf keinen Fall elegant umschifft wird. Dass, was in Zimbabwe geschieht, in Darfur, in Teilen Kongos – das gehört auf die Tagesordnung.
Dass die internationale Gemeinschaft eine "responsibility to protect" hat, eine Verpflichtung, Bedrängten und unter extremer Not Leidenden beizustehen, Menschenleben zu retten, …das ist noch nicht überall angekommen – und muss immer wieder betont, verteidigt und durchgesetzt werden gegenüber Partikularinteressen aus ganz unterschiedlichen Lagern.
Es gibt in Afrika viele Hoffnungszeichen, die Anlass zur Freude geben und gefördert werden sollten. Aber noch immer leiden viele Menschen in Afrika sowohl unter postkolonialer Ausbeutung als auch unter einigen Machthabern, die als Befreiungskämpfer starteten und im Laufe der Jahre mutiert sind zu halsstarrigen Despoten.
Nur wenn wir den Mut haben, frei von Ideologien die ganz unterschiedlichen Fehlentwicklungen anzusprechen, kann es die Kurskorrekturen geben, die jetzt einfach dran sind.