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Positiv überrascht zeigte sich der Auricher Bundestagsabgeordnete Thilo Hoppe von den Fähigkeiten Horst Köhlers im interkulturellen Dialog: "Der machte sogar als Tänzer zu afrikanischen Klängen eine gute Figur". In seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Entwicklungsausschusses des Deutschen Bundestages begleitete Hoppe den Bundespräsidenten kürzlich auf einer viertägigen Ghana-Reise.

Dialog auf Augenhöhe zwischen den Kulturen: Thilo Hoppe
mit dem wichtigsten Berater und Sprecher des Ashanti-Königs.
Nach Gesprächen mit dem ghanaischen Staatspräsidenten Kufour und mehreren Kabinettsmitgliedern in der Hauptstadt Accra stand eine Begegnung mit dem König des Ashanti-Volkes, Nana Osei Tutu II., auf dem Programm.
Obwohl der König dieser ethnischen Gruppe, die etwa ein Viertel der ghanaischen Bevölkerung ausmacht, keinerlei verfassungsmäßige Rechte hat, genießt er in der Ashanti-Bevölkerung ein hohes Ansehen und nimmt dadurch – ähnlich wie die "chiefs", die Häuptlinge lokaler Gemeinschaften – auch Einfluss auf die Politik.
Nach einer farbenprächtigen fast zweistündigen Begrüßungszeremonie, an der Hunderte von Trommlern und Tänzern teilnahmen, sprach die deutsche Delegation mit dem Ashanti-König auch über die Notwendigkeit der Versöhnung von Tradition und Moderne.
Bei Nana Osei Tutu II., der in England studierte, rannten die deutschen Politiker offene Türen ein. Er will das Positive aus der alten Kultur bewahren, sich aber notwendigen Erneuerungen nicht widersetzen. Er bejaht ohne Wenn und Aber die parlamentarische Demokratie, die aber zumindest auf örtlicher Ebene mit traditionellen afrikanischen Methoden der gewaltfreien Streitschlichtung – zum Beispiel dem "Palaver" – ergänzt werden müsste.
Der König und seine Gefolgsleute verwiesen auch auf neue Dialogbereitschaft zwischen modernen Medizinern und traditionellen Heilern. Naturheilverfahren der Ashanti seien kostengünstiger und gegenüber einigen Krankheiten auch wirksamer als die westliche Schulmedizin. Nur müssten die traditionellen Heiler auch ihre Grenzen erkennen.
Nach dem bilateralen Teil des Staatsbesuches nahmen Bundespräsident Köhler und seine Delegation in Accra an der zweitägigen Konferenz "Dialog mit Afrika" teil, die Politiker, Künstler, Wissenschafter, Wirtschaftsmanager und Studenten aus Afrika und Deutschland zusammenführte.
Die Staatspräsidenten aus Ghana, Nigeria, Liberia, Botswana und Benin waren ebenso dabei wie der Musiker Wolfgang Niedecken (BAP), der Schriftsteller Henning Mankell und der ehemalige Fußballstar Antony Baffoe, der unter anderem für den 1.FC Köln und Eintracht Frankfurt spielte.

Thilo Hoppe mit dem ghanaischen Fußballstar Anthony Baffoe,
der vor fünf Jahren noch in der Bundesliga spielte.
Die eigentlichen "Stars" der Konferenz waren aber so genannte "young leaders", Nachwuchskräfte aus Deutschland und Afrika, denen man zutraut, in acht bis zwölf Jahren wichtige Schlüsselpositionen einzunehmen.
Diese Gruppe, die überwiegend aus Studenten und Berufsanfängern bestand, konfrontierte die Politiker mit einer langen Liste von Forderungen und Vorschlägen. Als größte Herausforderung wurde die dramatische Klimaveränderung bezeichnet, die die Wüstenbildung beschleunige und schon heute Millionen von Menschen in Afrika die Ernährungsgrundlage entziehe.
Die "young leaders" forderten die Vertreter aus Politik und Wirtschaft auf, mit viel größerem Nachdruck als bisher an der drastischen Reduzierung der Kohlendioxid-Emmissionen zu arbeiten. Dabei müssten neue Instrumente und Mechanismen ausgearbeitet werden, die den Schutz der tropischen Regenwälder auch finanziell attraktiv machten.
In anderen Arbeitsgruppen wurde eine Intensivierung des "Dialogs auf Augenhöhe" zwischen Afrika und Europa angemahnt. Afrika solle dabei nicht immer nur als "Sozialfall" angesehen werden. Der kulturelle Reichtum Afrikas und seine einzigartige biologische Vielfalt sollten als großer Schatz angesehen werden.
Die Konferenzteilnehmer sprachen sich einmütig für mehr Austauschprogramme zwischen Europa und Afrika aus.
Thilo Hoppe traf sich am Rande der Konferenz mit Menschenrechts- und Umweltaktivisten, die auf katastrophale Folgen des Goldabbaus in Ghana hinwiesen. Durch den massiven Einsatz von Zyanid und Quecksilber seien in vielen Regionen Ghanas Flüsse und Seen umgekippt. Viele dörfliche Gemeinschaften hätten den Zugang zu Land und sauberem Wasser verloren und müssten umgesiedelt werden.
Hoppe sprach dieses Problem auch in Konsultationen mit ghanaischen Politikern an und forderte sie auf, den für die ghanaische Wirtschaft wichtigen Goldabbau umwelt- und sozialverträglicher zu gestalten.