

"Bei euch piept's wohl", mag wohl der ein oder andere gedacht haben, als Vertreter des Gesundheitsausschusses auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Thilo Hoppe zum Thema "Hauptsache Gesundheit!?" Pro und Contra der Gesundheitsreform darstellten. Während sich das Piepen im Raum aber schnell als ein Hörgerät identifizieren und abschalten ließ, - die Missstimmigkeiten in Bezug auf die bevorstehende Gesundheitsreform waren nicht so leicht zu beseitigen.
Rund 60 Ärzte, Apotheker und Patienten waren am Donnerstagabend der Einladung des Grünen-MdB Hoppe gefolgt, um mit Dr. Hans-Georg Faust (CDU), stellvertretender Vorsitzender des Gesundheitsausschusses, und Dr. Harald Terpe, Obmann für Bündnis 90/Die Grünen im Gesundheitsausschuss, im Hotel Köhlers Forsthaus über die geplante Reform im Gesundheitswesen zu diskutieren.

Dr. Faust (CDU) und Dr. Terpe (Grüne) sind
Mitglieder des Gesundheitsausschusses im Bundestag
Nachdem zunächst Dr. Faust die großen Punkte der Reform erläutert hatte, - Finanzierung über den Gesundheitsfond, Möglichkeit der Erhebung von Zusatzbeiträgen bei den Krankenkassen, Einsparungen bei den Krankenhäusern um 500 Millionen usw., stellte Dr. Terpe die Frage nach den zukünftigen Herausforderungen im Gesundheitsbereich: "Werden wir gesund älter oder werden wir krank älter?" Wichtig zu nennen seien hier die Nachhaltigkeit auf der Finanzierungsseite, die Gerechtigkeit auf der Ausgabenseite und die demographische Entwicklung. Insbesondere der Gesundheitsfond sei "eine Fehlkonstruktion", da durch ihn keine Verbreiterung der Finanzierungsbasis erreicht würde.
In den nachfolgenden Statements regionaler Experten wurde das Maß der Empörung auf seiten der Dienstleister im Gesundheitswesen deutlich: Dr. Hans-Jörg Klotter, Jann-Wolfgang de Vries und Helge Brötje von der Ubbo-Emmius-Klinik (UEK) betonten, dass die ab 2007 geplanten Einsparungen im Krankenhausbudget um 1%, sprich 500 Millionen, in Ihrer Einrichtung den Verlust von 60-70 Arbeitsplätzen bedeuten könnten.
"Nur zufriedene Mitarbeiter produzieren zufriedene Patienten", so Dr. Klotter, Chefarzt der Allgemeinchirurgie der UEK Aurich. Angesichts sinkender Löhne, geplanten Bettenabbaus und zunehmender Unattraktivität medizinischer Berufe sei dies aber immer schwieriger.

von links: MdB Dr. Terpe, MdB Dr. Faust,
MdB Hoppe, Dr. Stehle und Dr. Bockelmann
In seinen Ausführungen bekräftigte der Gesundheitspolitiker Dr. Faust noch einmal, dass das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz Mitte Januar vom Bundestag verabschiedet würde. An den "big points" wie Gesundheitsfond, Zusatzbeiträgen usw. würde nun nichts mehr geändert werden, lediglich einige Teilbereiche der Reform seien gegebenenfalls noch modellierbar, z. B. die für die Apotheker vorgesehenen Einsparungen von 500 Millionen in Form von Rabattverträgen mit den Pharmaunternehmen. Aber: "Die Länder haben bereits über 100 Änderungsanträge gestellt", so Faust.
Dr. Terpe, für die Grünen im Gesundheitsausschuss, plädierte zum Abschluss noch einmal eindringlich dafür, den Ärzten nicht so viel Bürokratie aufzubürden. "Der Arzt sollte auf seine Kernaufgaben zurückgeführt werden, nämlich die Behandlung seiner Patienten!"
Aus der Region haben mitdiskutiert: Dr. Lukas Bockelmann (Vorsitzender des Ärztevereins Aurich), Elke Foorden (Barmer Ersatzkasse, Leiterin der Geschäftsstelle Aurich), Dr. Hans-Jörg Klotter (Chefarzt Allgemeinchirurgie der Ubbo-Emmius-Klinik Aurich), Dr. Florian Penner (Apotheker), Ralf Pollmann (ver.di-Geschäftsführer im Bezirk Weser-Ems;), Dr. Wolfgang Stehle (Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen, Sprecher des Bezirksausschusses Aurich) und Jann-Wolfgang de Vries (Geschäftsführer der Ubbo-Emmius-Klinik Aurich).