Thilo Hoppe , MdB

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12. September 2006

Global Player – Global Prayer

Die Verantwortung der Christinnen und Christen in einer globalisierten Welt

Vortrag von MdB Thilo Hoppe (Bündnis 90/Die Grünen; Vorsitzender des Bundestagsausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung); gehalten am 9. September 2006 auf dem Eine-Welt-Tag des Sprengels Ostfriesland der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers in Aurich-Sandhorst

"Überall auf der Welt gibt es Christen – insgesamt 1,9 Milliarden. Fast jeder dritte Erdenbürger gehört einer christlichen Kirche an. Wenn alle diese Menschen die Botschaft Jesu annehmen und ernst nehmen würden – dann würde das ganz gehörig das Gesicht dieser Welt verändern.

Doch schon an der Frage, was denn die Botschaft Jesu sei, scheiden sich die Geister. Versteht man beispielsweise den Missionsbefehl aus dem Matthäus-Evangelium (Kapitel 28, Vers 19: "Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker! Tauft sie auf den Namen und Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!") bewusst oder unbewusst zu flach, zu vordergründig, zu wortwörtlich – dann verbreiten die Christen Angst und Schrecken.

Heutzutage ist dies Gott sei Dank kaum noch der Fall. Aber vor einigen hundert Jahren was das leider massenhaft grauenvolle Realität. Nach der Eroberung Süd- und Mittelamerikas durch die portugiesischen und spanischen Conquistadores wurden Millionen von indianischen Ureinwohner vor die Wahl gestellt, zum christlichen Glauben überzutreten oder auf dem Scheiterhaufen zu landen.

Oft wurde sogar die Folter eingesetzt. Von den Angehörigen mehrerer indianischer Gemeinschaften wird berichtet, dass sie sich selbst die Zunge herausschnitten, um nicht in die Gefahr zu kommen, unter der Folter ihren Glauben an ihre Götter zu verraten.

Zig-Millionen indianischen Ureinwohnern kostete die Eroberung Amerikas durch die neuen Eindringlinge aus Europa das Leben. Und viele dieser Verbrechen und Grausamkeiten geschahen im Namen Christi.

Heute nennen wir das abscheuliche Gotteslästerung – aber damals nahm die große Mehrheit der Christenheit keinen Anstoß daran.

Ich will aber nicht verschweigen, dass es auch zur Zeit der blutigen Eroberung und Zwangsmissionierung Lateinamerikas mutige Kirchenmänner und wohl auch –frauen gegeben hat, die das Unrecht erkannten – die den Satz Jesu "Was ihr habt einem meiner geringsten Brüder angetan, das habt ihr mir angetan" auch auf die amerikanischen Ureinwohner anwandten oder einfach nur Mitgefühl und Mitleid hatten mit den geschundenen Kreaturen.

Aber: Es waren krasse Minderheiten. Genauso wie es vor gar nicht langer Zeit auch nur eine krasse Minderheit von Christen war, die im Dritten Reich den Mut hatte, sich gegen die Diskriminierung, Verfolgung und Vernichtung der Juden aufzulehnen.

Daraus folgt vielleicht ein erster Merksatz zur Verantwortung der Christen in dieser Welt: Was die Mehrheit der Christen macht und denkt, bietet leider keinen zuverlässigen Orientierungsrahmen – auch nicht wenn's durch Synodenbeschlüsse untermauert wird. Wer im mainstream mitschwimmt, wird nicht unbedingt ans richtige Ufer geschwemmt.

Die Mehrheit der Christen muss nicht zwangsläufig in die Irre laufen – aber im Laufe der Kirchengeschichte hat sie es leider oft genug getan: zur Zeit des Kolonialismus, zur Zeit des Hurra-Patriotismus im vorletzten und letzten Jahrhundert und ganz besonders in Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus.

Wenn ich mich nicht an der Mehrheit orientieren kann, weil das so oft schon schief gegangen ist – dann muss ich bereit sein, erst mal ganz allein danach zu fragen, was es heißt, als Christ in dieser Zeit zu leben. Was kann ich mit meinem Gewissen vereinbaren, mit dem Kern meines Glaubens? Was will Gott von mir? Ich bin für die Folgen meines Tun und Lassens, meines Handelns, meines Redens und Schweigens verantwortlich – und kann diese Verantwortung nicht anderen zu schieben, auch keinen Kirchenführern und Synoden.

Und wenn es stimmt, dass die Mehrheit der Christen in der Kirchengeschichte so oft falsch lag – kann es dann nicht sein, dass die Mehrheit der Christen auch jetzt, in der Gegenwart, im Zeitalter der beschleunigten Globalisierung eher dem neoliberalen Zeitgeist folgt als dem Geist Jesu?

Bevor ich auf die Herausforderungen eingehe, die in der gegenwärtigen Globalisierung liegen, will ich klarstellen, was für mich persönlich ganz wesentlich zum christlichen Glauben dazugehört  - und was mich, wenn ich es ganz durchdringe und aufnehme,  davor bewahren müsste, himmelschreiendes Unrecht wie die bestialische Zwangsmissionierung von Indianern, die Judenverfolgung oder die menschenverachtende Ausbeutung von Kindern und jungen Frauen durch internationale Textilkonzerne zu übersehen, stoisch hinzunehmen oder gar zu rechtfertigen:

Jesus spricht von Gott als Abba, Papa, als liebevollen Vater. Für Jesus ist der uns liebende Gott kein Kriegsgott, kein Stammesgott, der den einen hilft, die anderen klein zu kriegen.

Ich glaube an Gott, der wie ein liebevoller Vater, wie eine liebevolle Mutter für – und jetzt kommt ein entscheidendes Wort – für ALLE Menschen da ist. Und dieser Gott, auf den Jesus mich weist, denkt Gedanken des Heils ALLEN Menschen gegenüber.

Er liebt mich. Er liebt Dich. Und er hat auch die lieb, die nicht besonders religiös sind, die sich als Atheisten empfinden oder die Gott auf andere Weise suchen und verehren – in anderen Religionen und Glaubensgemeinschaften.

Und wenn Gott Vater (und Mutter) ALLER Menschen ist, dann sind wir Menschenkinder alle Brüder und Schwestern – vor Gott gleich – und sollten deshalb auch hier auf Erden die gleichen Rechte, die gleichen unteilbaren Menschenrechte haben.

Gott liebt ALLE seine Kinder. Es freut ihn, erwärmt sein Herz, bringt ein Lachen in sein Gesicht, wenn seine Kinder einander achten, in Gerechtigkeit und Frieden miteinander leben und die ihnen gemeinsam anvertraute Erde für nachfolgende Generationen bewahren.

Und es schmerzt ihn, betrübt ihn zutiefst, wenn sich seine Kinder hassen, gegenseitig das Leben schwer machen, sich die Lebensgrundlagen entziehen, sich buchstäblich das Wasser abgraben oder gar offen bekämpfen wie gerade geschehen im Libanon und in Israel.

Ich möchte diesen einfachen (vielleicht naiv erscheinenden) Glauben an den mich und alle Menschen liebenden Gott ins Zentrum stellen – und nicht zu Trennungen und Abgrenzungen führende theologische Konstrukte wie etwa dogmatische Glaubenssätze, die von der "Heilsnotwendigkeit des Kreuzestodes Jesu" sprechen.

Es kommt nicht darauf an, wer Recht hat – welcher Kult, welche Dogmen besser sind. Es kommt darauf an, die Liebe Gottes annehmen und weiterschenken zu können – so zu leben, dass nicht Hass, Unrecht, Elend und Umweltvergiftung größer werden – sondern Frieden (in meinem Herzen, zwischen mir und meinen Mitmenschen, zwischen den Völkern), Gerechtigkeit (besonders gegenüber den Armen) und die Gesundung und Bewahrung der Schöpfung.

Mein politisches Engagement ist geprägt worden vom weltweiten konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Eine ermutigende Bewegung, die zu Beginn der 80er Jahre entstand und in der sich weltweit Christen sagten: "Streiten wir uns nicht länger um des Kaisers oder um Jesu Bart! Schieben wir die Dispute um das richtige Abendmahls- oder Taufverständnis oder die Bedeutung des Opfertodes Jesu mal zur Seite – und überlegen wir, wie wir wirklich als Sauerteig in dieser Welt wirken können – was wir tun können für mehr Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung !"

Ich bin ein bisschen stolz darauf, Mitte der 80er Jahre mit dazu beigetragen zu haben, dass das erste regionale Friedenskonzil in Deutschland hier bei uns in Ostfriesland stattfand. 200 Teilnehmer aus sieben Konfessionen trafen sich in den Gemeindehäusern, in der Lamberti-, in der reformierten und in der katholischen Kirche in Aurich. Und wir diskutierten darüber, wie jeder einzelne anders leben müsste, damit andere überleben können.

Es waren sehr spannende Diskussionen. Anschließend wurde über Resolutionen abgestimmt. Über manches muss ich zugegebener weise heute lächeln. Aber vieles nehme ich nach wie vor sehr ernst,  weil es heute sogar aktueller ist als damals. (Übrigens kann man eine Dokumentation von diesem ersten ostfriesischen Friedenskonzil noch heute in der ARO bekommen.)

Als Aufgabe der Christen sehe ich es an, nicht in erster Linien danach zu trachten, die Zahl derer zu erhöhen, die ihrem "Verein" angehören und sich gegenüber Andersgläubigen durchzusetzen – sondern ihrem Glauben sind die Christen gerade dann besonders treu, wenn sie sich darin üben, Gottes Liebe anzunehmen und weiterzuschenken – in allen Menschen Gottes Kinder zu sehen, also Brüder und Schwestern - und dass jeder und jede je nach seinen Talenten und Möglichkeiten versucht, etwas dazu beizutragen, dass Frieden und Gerechtigkeit wachsen und dass die Schöpfung weniger bedroht wird sondern in ihrer Vollständigkeit und Schönheit nachfolgenden Generationen bewahrt  bleibt.

So zu glauben ist für mich Motivation, Stärkung, Aufrüttelung und Ermutigung, mich für die Verwirklichung der unteilbaren, vollständigen Menschenrechte einzusetzen – und ebenfalls für den globalen Umwelt- und Klimaschutz und den Erhalt der biologischen Vielfalt.

Christlicher Glauben als Schubkraft für die Achtung und Anwendung der universellen Menschenrechte und den globalen Umweltschutz !

Wenn ich betont von den vollständigen Menschenrechten spreche, dann spiele ich auf einen Streit an, den es lange zwischen den westlichen Ländern und denen der östlichen Hemisphäre – oder anders ausgedrückt: den sich sozialistisch nennenden Ländern – gegeben hat. Während die westlichen Nationen besonders die bürgerlichen Menschenrechte wie Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit, Demokratie hochhielten, pochten die so genannten sozialistischen Staaten auf die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte, wie das Recht auf Nahrung, auf medizinische Versorgung, auf Behausung, die doch viel wichtiger seien als bürgerliche Freiheiten.

Dieser Streit schwelt noch immer zwischen Staaten  wie die USA und Kuba – aber auf Ebene der Vereinten Nationen ist er spätestens seit der großen Menschenrechtskonferenz in Wien überwunden. Ich kann UN-Generalsekretär Kofi Annan nur darin zustimmen, dass es absolut falsch wäre, die eine Sorte der Menschenrechte gegen die andere auszuspielen. Wenn mir das Recht auf Nahrung verweigert wird, nützt mir auch die Pressefreiheit nichts. Doch wenn Demokratie verweigert wird, besteht keine Möglichkeit mehr zur Veränderung und alle weiteren Menschenrechte geraten in Gefahr. Deshalb spreche ich stets von den universellen, unteilbaren und vollständigen Menschenrechten in ihrer ganzen Bandbreite.

Ich habe nun mehr und ausführlicher als ursprünglich geplant über den Glaubenshintergrund gesprochen, über das Grundsätzliche.

Wenn ich Vorträge über die Globalisierung und/oder die Millenniumsziele halte – und das geschieht recht häufig – dann versuche ich jedes mal eine Art Bestandsaufnahme zu machen. In welcher Lage befinden wir uns aktuell?  Wo liegen die größten Herausforderungen?

Ich mache dies heute nur in Kurzform:

  • Die Klimaforscher haben sich verrechnet. Die Erderwärmung schreitet schneller voran als ursprünglich angenommen. Zwar hat gerade Deutschland in den letzten sieben bis acht Jahren große Anstrengungen unternommen, den CO2-Ausstoß zu reduzieren – mit dem Erneuerbaren Energiengesetz und der Initiative zum Kyoto-Protokoll mit dem Emissionshandel. Doch wenn man sich ehrlich der Realität stellt, dann muss man feststellen, dass die Titanic nur die Fahrt gedrosselt hat – aber immer noch in die falsche Richtung fährt – geradeaus auf den Eisberg zu. Neuste Forschungsergebnisse, die eine Professorengruppe vor wenigen Tagen auf dem Zukunftskongress der Grünen in Berlin vorgestellt haben, besagen eindeutig: Wenn es nicht gelingt, den weltweiten CO2-Ausstoß in den nächsten zehn bis 15 Jahren sehr drastisch zu reduzieren, werden durch die Abschmelzung der Polarkappen unumkehrbare Prozesse eingeleitet, die einen Anstieg der Meeresspiegel um mehr als zehn Meter bedeuten könnten. Das ist keine Zukunftsmusik mit Horrorszenarien: Schon jetzt leiden Menschen im Südpazifik ganz konkret unter dem Anstieg des Meeresspiegels. Der Inselstaat Tuvalu musste bereits mehre Zig-Tausend Menschen evakuieren lassen.

    Die Professorengruppe, zu der mein Fraktionskollege Reinhard Loske und der Klimaforscher Hermann Ott gehören, sind der festen Überzeugung, dass es mit dem auch von den Grünen propagierten Slogan der "ökologischen Modernisierung" allein nicht getan ist.

    Es reicht nicht, dass 3-Liter-Auto zu bauen und Kohle- und Atomkraftwerke durch Windenergieanlagen und Sonnenkollektoren zu ersetzen. Wir müssen uns sehr ernsthaft mit der Lebensstilfrage befassen.

    Es gibt eine ganz einfache Rechnung: Würde alle Menschen dieser Welt so leben wie wir Bundesbürger – also den gleichen Rohstoff und Energieverbrauch haben – wäre die Welt in 81 Tagen "alle", am Ende, kaputt.

    Aber die beiden bevölkerungsreichsten Länder der Welt, China und Indien, sind mit Feuereifer dabei, unseren Lebensstil zu kopieren. Sie wollen aufholen, aufschließen zu uns. Und mit welcher Begründung könnten wir ihnen dieses Recht absprechen – es sei denn, wir seien selbst bereit, sehr viel weniger verschwenderisch mit Energie und Rohstoffen umzugehen.

    Doch das in die Lebenspraxis umzusetzen scheint nicht besonders attraktiv zu sein. Wer in diese Richtung wirbt, bekommt schnell den Geruch des moralinsauren Asketen, der lebens- und lustfeindlich sei. In Interviews oder Vorträgen die Deutschen aufzurufen, weniger zu fliegen, zumindest auf den Zweitwagen zu verzichten, mehr Bus und Bahn zu fahren… gilt als politischer Selbstmord. Und dennoch: Hier sollten Christen den Mut haben, wieder den alten Slogan von "Brot für die Welt" aufzuhängen: "Anders leben – damit andere überleben!"

    Die Lebensstilfrage wird heute zu sehr tabuisiert, weil Verzicht ein Unwort geworden ist. Aber die Lebensstilfrage muss heute noch dringender gestellt werden als je zuvor.
  • Dies gilt auch in Bezug auf die Frage nach der weltweiten Gerechtigkeit. Sie alle wissen wahrscheinlich, dass es im Jahre 2000 auf einer großen Konferenz in New York gelungen ist, die Millenniumsziele zu proklamieren. Damals versprachen die versammelten Staatsoberhäupter der ganzen Welt, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um bis zum Jahr 2015 die Zahl der extrem Armen und Hungernden zu halbieren und eine Reihe von weiteren Millenniumsziele zu erreichen.

    Im letzten Jahr fand in New York eine Überprüfungskonferenz statt, auf der eine vorläufige Bilanz gezogen wurde. Man konnte auf einigen Gebieten – etwa bei der Verbesserung der Grundbildung und der Senkung der Müttersterblichkeit – bescheidene Erfolge verbuchen. Aber bei dem wichtigsten Millenniumsziel – der Halbierung der Zahl der Hungernden – gab es nicht nur keinerlei Fortschritte sondern – ganz im Gegenteil – erschütternde Rückschritte. Die Zahl der Hungernden ist in den letzten Jahren sogar noch gestiegen – auf mittlerweile 846 Millionen.

    Ich habe selber zusammen mit dem Beauftragten der Vereinten Nationen für die Umsetzung des Rechts auf Nahrung, dem Schweizer Jean Ziegler, parlamentarische Anhörungen veranstaltet, die der Frage nachgingen, warum das so ist, wie diese Rückschritte zu erklären sind.

    Auf diese Frage gibt es nicht nur eine Antwort. Im südlichen Afrika hat besonders die Ausbreitung von Aids dazu beigetragen, dass auch die Zahl der Hungernden angestiegen ist.

    Viele Länder leiden aber auch an einer Vernachlässigung der ländlichen Entwicklung – und ganz besonders an ungerechten Bedingungen im aktuellen Weltwirtschaftssystem. Die besonders vom Internationalen Währungsfonds diktierten Liberalisierungen und Privatisierungen haben in vielen Entwicklungsländern eine Minderheit reich gemacht und das Heer der extrem Armen und Hungernden vergrößert.

    Eine fatale Rolle spielen die Agrarsubventionen der Europäischen Union und der USA. Mit Hilfe von Steuermitteln werden Agrarüberschüsse aus Europa und den USA zu Dumpingpreisen auf den Märkten Afrikas, Lateinamerikas und Asiens abgekippt. Sie verderben dort die Preise und treiben die Kleinbauern in den Ruin.

    Um den Hunger wirksam und nachhaltig zu bekämpfen sind Reformen nötig – in den Entwicklungsländern selbst, aber vor allem auch in den Handelsbeziehungen zwischen dem Norden und dem Süden.

    Dass in unseren Läden Bananen aus Lateinamerika billiger sind als Äpfel aus Dornum, ist nur damit zu erklären, dass die Arbeiter auf den Plantagen der großen Fruchtkonzerne in Lateinamerika wie Sklaven schuften müssen und nur Hungerlöhne bekommen.

    Würden ökologische und soziale Mindeststandards verbindlich werden und gerechte Löhne gezahlt  – dann würden die "Kolonialwaren", die wir zur Zeit noch zu völlig unrealistischen Preisen – also viel zu billig – genießen können, deutlich teurer werden. Und das wäre richtig und gerecht!  

    Heute schon ist es möglich, für gerechte Preise nicht nur zu streiten sondern sie auch schon zu zahlen. Produkte mit dem Transfair-Siegel gibt es mittlerweile nicht nur in kirchlichen Eine-Welt-Läden – sondern auch in vielen Supermärkten und im Versandhandel.

    Was können Christen konkret tun – für mehr Gerechtigkeit weltweit? Sie können sich politisch engagieren, den weltweiten konziliaren Prozess wieder aufleben lassen, ihren eigenen Lebensstil überprüfen – und in vielen konkreten Alltagssituationen Konsequenzen ziehen: beim Einkaufen – wie gesagt: wenn möglich, Produkte mit dem Transfair-Siegel bevorzugen / bei der Geldanlage (auch dort gibt es inzwischen vielfältige Möglichkeiten, auf Spitzenrenditen und Spitzenzinsen zu verzichten und bei Oikocredit oder ähnlichen kirchlichen oder alternativen Banken das Geld für das Leben arbeiten zu lassen).

    Christen können sich vernetzen. Die Lebensumstände ihrer Schwester und Brüder in anderen Ländern und Erdteilen kennen lernen. Ich freue mich, dass sich heute hier so viele Partnerschaftsinitiativen präsentieren.

    Und Christen können Singen und Beten, daraus Kraft schöpfen für politisches Engagement, gelebte Solidarität und einen neuen Lebensstil, der mehr von Qualität als von Quantität geprägt ist.

Ja – und in diesem Sinne hoffe ich, ein paar Anstöße gegeben zu haben. Und ich wünsche, dass dieser Tag ein Tag der Ermutigung wird, über neue Wege nicht zu reden – sondern sie auch zu gehen!"

Thilo Hoppe

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