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Bei Gentechnik in der Landwirtschaft ist es wie mit der Atomtechnik: der Mensch kann sie nicht beherrschen und Fehler in der Anwendung lassen sich nicht mehr reparieren. Das ist das Fazit von Bärbel Höhn, ehemalige nordrhein-westfälische Ministerin für Umwelt, Agrar und Verbraucherschutz, nach dem Grünen Salon mit dem Auricher Thilo Hoppe im Bürgerhaus Schortens. Die beiden Bundestagsabgeordneten von Bündnis 90/ Die Grünen sind strikt gegen die Anwendung der Gentechnik in der Landwirtschaft und der Lebensmittelindustrie. Im medizinischen Bereich kann über Gentechnik diskutiert werden. Die Gefahr ist, so Höhn, dass Gentechnik bereits schleichend in der Landwirtschaft eingesetzt wird, dagegen müsse sich der Verbraucher wehren. Für diese Aussage erhielt Höhn viel Applaus von den Zuhörern. Dies ist nicht verwunderlich. Laut Umfragen sind über 70% der Deutschen gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel.

Thilo Hoppe (3. v.l.) mit Gästen: Bärbel Höhn,
Ulrich Prolingheuer und Erich Hinrichs
Mit dem grünen Duo Hoppe und Höhn diskutierten als weitere Gäste Erich Hinrichs, Präsident des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Ostfriesland, und Ulrich Prolingheuer, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Ökolandbau Niedersachsen GmbH. Hinrichs äußerte sich als Vertreter der Landwirte eher skeptisch gegenüber der Gentechnik, lehnte diese aber nicht konsequent ab. Beispielsweise würde er den Anbau von genveränderten Kartoffeln zur Herstellung medizinischer Produkte näher prüfen wollen. Bärbel Höhn ermahnte, dass mit Ausnahmegenehmigungen und dem Anbau zu Forschungszwecken der Gentechnikindustrie die Hoftore geöffnet werden würden, möglicherweise ließe sich die Gentechnik dann nicht mehr aufhalten. Hinrichs entgegnete, dass die Landwirte noch keine feststehende Position haben und sich die Möglichkeiten offen halten wollen. Oftmals könnten sich die Landwirte auch gar nicht gegen die Entwicklung wehren, so sei bereits heute kaum noch konventionelles Tierfutter ohne Gentechnik in Europa zu tragbaren Einkaufspreisen erhältlich. Dass Landwirtschaft auch ohne Gentechnik existieren kann, stellte Ulrich Prolingheuer dar. Im Ökolandbau wird vollständig auf den Einsatz von Gentechnik verzichtet – auch beim Tierfutter. Der Verbraucher wünscht dies, wie die enorme Nachfragesteigerung bei den Bio-Lebensmitteln zeigt, und das trotz zum Teil sehr viel höherer Preise, so Prolingheuer. Auch in Ostfriesland sucht die Münsterländer Bio-Molkerei Söbbeke nach Milcherzeugern, die auf Bio umstellen.
Dass Verzicht auf Gentechnik auch ohne Umstellung auf den Ökolandbau geht, machte Bärbel Höhn an der Niederösterreichischen Molkerei deutlich. Die Großmolkerei und ihre Lieferanten haben sich verpflichtet, auf genmanipulierte Pflanzen im Tierfutter zu verzichten. Der Markterfolg der gentechnikfreien Milch gibt der Molkerei und den Landwirten Recht. Noch hat der Verbraucher in Deutschland nur die Wahl, zur Bio-Milch zu greifen, wenn er gentechnikfreie Milch will, so Höhn. Gemeinderäte, Kreistage und auch Kirchen hätten hingegen die Möglichkeit, Beschlüsse zu fassen, dass auf ihren Flächen keine Gentechnik genutzt werden darf. So könnten Zeichen gegenüber der Gentechnik-Lobby gesetzt werden. Auch gibt es bereits mehrere Landkreise, die sich als gentechnikfreie Regionen zusammengeschlossen haben, ergänzte Hoppe.
In einem Problempunkt waren sich alle Gesprächsteilnehmer einig. Gentechnik in der Landwirtschaft nutzt vor allem den großen Konzernen, die genverändertes Saatgut herstellen. Sie profitieren vom Verkauf des patentierten Saatgutes und schaffen langfristig Abhängigkeiten, so Hoppe. Die Landwirte sind keinesfalls Freunde dieser Konzerne, fügte Hinrichs hinzu und Höhn forderte die Zuhörer auf, sich als Verbraucher gegen die Gentechnik zu wehren, damit das Saatgut in den Händen der Landwirte bleibt und die Welternährung nicht in den Händen weniger globaler Konzerne liegt.