

"Kinder haben das Recht auf Schutz vor Gewalt, Missbrauch und Ausbeutung" – so lautete eine der auf Plakate gemalten Forderungen, die am Montagabend den Bundestagsabgeordneten Thilo Hoppe und Ekin Deligöz zu Beginn eines Grünen Salons in Leer zum Thema Kinderrechte überreicht wurden. Hoppe hatte gemeinsam mit dem Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen Leer zu diesem nunmehr elften Grünen Salon in den Kulturspeicher Leer geladen und mehr als 50 ZuhörerInnen waren gekommen.

Überreichung der selbstgemalten Plakate durch die Kinder:
(vorne v.l.n.r.) Mechthild Tammena (KV Leer), Thilo Hoppe, Ekin Deligöz
Neben weiteren Podiumsgästen begrüßte der Auricher MdB zunächst Ekin Deligöz, kinder- und familienpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, die sich seit 1998 als Abgeordnete schwerpunktmäßig um die Rechte von Kindern kümmert. "Was wir bei Kindern nicht schaffen, dafür könnte es bei den Erwachsenen bereits zu spät sein", erklärte Deligöz und wies auf das 'Recht auf gewaltfreie Erziehung' hin, welches von der Bundestagsfraktion mit Unterstützung des Kindesschutzbundes bereits durchgesetzt worden sei. In ihrer Bilanz erwähnte sie ebenso Kindergelderhöhung wie auch Kindergrundsicherung, um dem akuten Problem der Kinderarmut in Deutschland entgegenzutreten.
Auf die Frage von Thilo Hoppe, wie es um die Kinderrechte in Deutschland bestellt sei und welche Forderungen es an die Politik gäbe, erklärte der Vorsitzende des Kinderschutzbundes Leer, Klaus Hinzpeter:"Kinder und Familien müssen eher abgeholt werden". Bereits ab der Geburt sollten Familien begleitet werden, und es müssten genaue Vorgaben, z. B. bezüglich der ärztlichen Untersuchungen, bestehen. In Norwegen und Finnland werde dies bereits vorbildhaft praktiziert.
"Die Rechte der Kinder sind schon da, sie werden von den Eltern aber nicht immer gänzlich wahrgenommen." Dazu möchte Inge Stellermann –Hanekamp, Vorstandssprecherin des Arbeitskeises Pflegeeltern, Eltern und Freunde e.V., die Eltern ermuntern. "Erziehungsarbeit sollte einen höheren Stellenwert bekommen", forderte sie deshalb.
Auch Angela Neerhut, Beauftragte für Jugendsachen bei der Polizeiinspektion Leer/Emden, hält die gesetzliche Lage für ausreichend. Sie wünschte sich insbesondere eine gute Vernetzung zwischen allen Behörden und Institutionen, die mit Kindern zu tun hätten. Auf Nachfrage von Hoppe bestätigte sie, dass es auch in Ostfriesland Fälle von sexuellem Missbrauch, Vernachlässigung und Misshandlung gäbe. Jedoch auch bei häuslicher Gewalt seien Kindern immer mit betroffen. Sie wies dabei besonders auf die Stalking-Opfer hin.

Die Gesprächsteilnehmer (v.l.n.r.): Stellermann-Hanekamp,
Neerhut, Deligöz, Hoppe und Hinzpeter
"Schau hin – sieh nicht weg", so lautete der Aufruf von Ekin Deligöz in Bezug auf Fälle sexuellen Missbrauchs. Deshalb sei es wichtig, "nicht immer mehr Gesetze zu fordern, sondern eine Kultur des Hinkuckens zu entwickeln", so Deligöz. Darüber hinaus plädierte sie für einen "Ausbau der Kindertagesstätten zu Orten des Lernens, Erziehens und Bildens". Und letzten Endes sei es besonders wichtig, mehr Männer in die Erziehung einzubinden, - eine Forderung, die auch aus dem Publikum vorgetragen wurde und große Zustimmung erhielt.
Musikalisch hervorragend begleitet wurde der Grüne Salon von der Pianistin und Sängerin Silvia Sinning, die an diesem Abend eigene Kompositionen vortrug.