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20 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl gibt es sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden eine Diskussion über längere Laufzeiten oder gar den Neubau von Atomkraftwerken. Dem niederländischen Staatssekretär Pieter von Geel schwebt laut Pressemeldungen gar ein neuer Reaktor in Eemshaven vor, was besonders in Ostfriesland für Aufregung sorgt. Thilo Hoppe, Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Aurich-Emden und der Emder Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen haben deshalb zu einem "Grünen Salon" eingeladen, der unter dem Motto "20 Jahre nach Tschernobyl: Atomkraft, nein danke!" stand und am 25. April 2006 im VHS-Forum in Emden stattfand.
"Atomkraft rechnet sich nicht, die heutigen Windenergieanlagen produzieren den Strom billiger als jedes Atomkraftwerk", so der ehemalige Bundesumweltminister und jetzige stellvertretende Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion Jürgen Trittin während des Grünen Salons in Emden. Der Auricher Bundestagsabgeordnete Thilo Hoppe und der Kreisverband von Bündnis 90/ Die Grünen Emden hatten ihn anlässlich des zwanzigsten Jahrestages der Atomkatastrophe im ukrainischen Tschernobyl eingeladen.

Die Gesprächsteilnehmer beim Grünen Salon (v.l.n.r.):
Bernd Renken, Thilo Hoppe und Jürgen Trittin
Trittin machte in dem von Hoppe moderierten Gespräch schnell deutlich, dass keines der Argumente der Atomlobbyisten einer wissenschaftlichen Prüfung standhalten würde. Auch neue Atomkraftwerke wären nicht sicherer. Es hätte in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Zwischenfälle in Atomkraftwerken auf der ganzen Welt gegeben, die nach menschlichem Ermessen eigentlich nie hätten eintreten können, sagte Trittin.
Billig sei die Atomenergienutzung schon gar nicht – nur mit staatlichen Milliardensubventionen sei sie aufgebaut worden. Aber warum sollte man diese Technologie fördern, wenn die Nutzung Erneuerbarer Energien sich wirtschaftlich besser rechnet und dazu noch viel mehr Arbeitsplätze schafft?
Ein neuer Argumentationsversuch der Atomlobbyisten ziele auf den Beitrag zum Klimaschutz, brachte Hoppe ein. Auf der jüngsten Tagung der Weltbank in Washington sei diskutiert worden, ob Atomenergie aus Klimaschutzgründen gefördert werden solle. Trittin machte den über hundert Zuhörern im VHS-Forum jedoch schnell deutlich, dass die Atomenergienutzung sogar schädlich für den Klimaschutz ist. So konnten in den Ländern mit einem hohen Anteil an Atomenergie die Klimaschutzziele bislang nicht erreicht werden. Deutschland hat mit einem stark wachsenden Anteil Erneuerbarer Energien ab der Regierungsübernahme durch Rot-Grün seine Klimaschutzziele indes beinahe erreicht. Der große Nachteil der Atomkraftwerke sei, dass man sie nicht einfach abschalten kann, wenn man keine Energie braucht. So liefern sie viel Energie die sinnlos oder uneffektiv genutzt wird – beispielsweise zum Betrieb von Klimaanlagen wie in Japan wobei eine gute Wärmedämmung einen viel besseren Nutzen bringen würde oder zur nächtlichen Beleuchtung von Autobahnen wie in Belgien.
Bernd Renken von der Stadtratsfraktion von Bündnis 90/ Die Grünen in Emden fühlte sich durch die Aussagen von Jürgen Trittin bestätigt. Schon seit Jahrzehnten engagiere sich die Stadt Emden gegen die Atomenergienutzung, so mit einem Beschluss gegen die Verladung radioaktiver Abfälle im Emder Hafen, und setze in den letzten Jahren in Zusammenarbeit mit lokalen und regionalen Firmen verstärkt auf Erneuerbare Energien. Diese Branche hat in Emden wesentlich zur Wirtschaftskraft beigetragen, so Renken.
Die Atomkraft birgt hohe Sicherheitsrisiken, kann auf funktionierenden Energiemärkten nicht mit anderen Energien konkurrieren und läuft dem Klimaschutz zuwider, fasste Thilo Hoppe das Gespräch während des Grünen Salons zusammen. Die Beibehaltung am Atomausstieg ist die einzige sinnvolle Handlungsmöglichkeit und eine zukunftsfähige Energieversorgung sei nur mit einem hohen Anteil Erneuerbarer Energien möglich, sagte Jürgen Trittin abschließend.
Die Emder Musikgruppe "Amazing Routes 42" umrahmte die Polit-Talkshow mit kritischen Liedern.Im Vorfeld des Grünen Salons hatte Jürgen Trittin die Möglichkeit, einen Zwischenstopp in Leer einzulegen. Bei einem Rundgang entlang des Hafengeländes erörterte Bürgermeister Wolfgang Kellner die aktuellen städtebaulichen Entwicklungen und Planungen der Stadt Leer.

(v.l.n.r.): Mechthild Tammena (Kreisverband B'90/ Grüne Leer),
Bürgermeister Wolfgang Kellner, Jürgen Trittin, Thilo Hoppe,
Bruno Schachner (Stadtratsfraktion B'90/ Grüne Leer)